visual
A und O der Schädlingsbekämpfung: Welche Art ist das?
Motto der diesjährigen Jahrestagung der DGMEA, der Deutschen Gesellschaft für medizinische Entomologie und Acarologie, waren Präparations- und Archivierungstechniken. Besser hätte der Veranstaltungsort dafür nicht gewählt sein können: Das Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen der Martin-Luther-Universität zu Halle/Saale. Mal ganz abgesehen davon, dass ich den Flair altehrwürdiger, ein wenig vom Hauch des Verfalls umwehter Gemäuer außerordentlich schätze, gerade wenn sie im nächsten Moment mit der Frische akademischer Forschung und der Zeit voraus eilender Aktualität verblüffend zu überraschen wissen. Doch davon später mehr...
In offener und angeregter Diskussion gab es im Verlauf der Referate zahlreiche wertvolle Hinweise, biologische Sammlungen als Beleg-, Vergleichs-, Lehr- oder Schausammlung anzulegen. Wie Tiere - auch und gerade tierschutzkonform - getötet werden, gegen Fraß oder Schimmelbildung geschützt werden können, wurde ebenfalls ausgiebig behandelt und durch bewährte Tipps aus der Praxis anregend untermauert.
Neben alldem wurde, vielleicht weil es zu offensichtlich ist, einmal mehr unübersehbar deutlich, dass das exakte Bestimmen der vorliegenden Art essentielle Grundlage jeglicher nachhaltigen - gerade auch der ökologischen - Schädlingsbekämpfung ist. Nur wenn die Art bekannt ist, lassen sich Lebensraumansprüche ermitteln und die Frage beantworten, warum diese Tiere zu dieser Zeit an diesem Ort in der beobachteten Häufigkeit festzustellen waren. Es ist wie im Boxkampf: Nur wenn ich den Gegner "kenne", kann ich erfolgreich gegen ihn antreten.
Es ist etwas Wahres dran: Nur was ich weiß, sehe ich auch. Im Grunde ganz einfach, oder?
Aber Halle hatte noch etwas Anderes. Abgesehen davon, dass es - Plattenbauten mal ausgeblendet - eines der wunderbaren, kleinen, alten, überschaubaren Unistädtchen ist, die den Charme weltoffener akademischer Freiheit verströmen, hütet Halle eine der ältesten und umfangreichsten naturwissenschaftlichen Sammlungen nördlich der Alpen. Die Ursprünge gehen ins 16. Jahrhundert zurück, als begeisterte Gelehrte darüber brüteten, ihre Umwelt - würden wir heute sagen - in ihrer Artenvielfalt zu systematisieren.
Teile dieser alten Sammlungen sind erhalten - leider nicht alle - und sie werden gehütet wie der eigene Augapfel.
Immer wieder wurden auch Sammlungen nach neuen Erkenntnissen überarbeitet, daher auch die farblich unterschiedliche Beschriftung.
Die Begeisterung für die Arbeit ist bei der Custorin nicht zu übersehen.
Wahre Schätze finden sich in den Vitrinen...
... und motivieren für die eigene Arbeit.
Beinahe lebendig wird die Arbeit in dieser Sammlung, wenn die hier zentral gesammelten Felle und Knochen der deutschen Wölfe zu wissenschaftlichen Studien international herangezogen werden. Damit verlieren die Sammlungen den scheinbaren musealen Charakter und entpuppen sich als zentrale tagesaktuelle Anlaufstelle.